Lagoa das Furnas

ein Ausflug zu den vulkanischen Ursprüngen und dem Kratersee von Furnas

São Miguel, die größte Insel der Azoren bietet eine Reihe von Sehenswürdigkeiten und großartige Landschaften. Mit seiner Gesamtlänge von über 60 km und Breite von über 16 km bietet sie unglaublich viele Unternehmungsmöglichkeiten. Für meinen ersten Ausflug auf São Miguel habe ich mir eine kleine Rundfahrt über die Insel, vorbei an grünen Wiesen und einer Teeplantage zum Kratersee Lagoa das Furnas vorgenommen. Ein gut gewählter Einstieg in meine Reise, verdeutlicht er doch den vulkanischen Ursprung der Azoreninseln.

Von Ponta Delgada geht die Reise zunächst über die Insel von Süden nach Norden, vorbei an der einzigen Teeplantage in Europa (man möge mich hier korrigieren, wenn das nicht stimmt). Furnas_Sao_Miguel_Azoren_025Der Plantage angeschlossen, ist die kleine Teefabrik Chá Gorreana, die immer noch den Tee wie aus einer längst vergangenen Zeit herstellt. Die Technik ist robust und erinnert an die industrielle Revolution. Die Maschinen laufen schon seit Generationen zuverlässig, aber benötigen immer noch sehr viel zusätzliche Handarbeit, bis das fertige Produkt über die Ladentheke geht.

Es gibt nur Tee aus rein ökologischem Anbau in grünen oder schwarzen Sorten mit unterschiedlichen Geschmacksrichtungen. Furnas_Sao_Miguel_Azoren_007Wie ich gelernt habe, wird beim Grünen Tee die Fermentation frühzeitig durch heißen Dampf gestoppt, wohin gegen der Schwarze Tee weiter fermentiert, bis der gewünschte Charakter erzielt wird. In der Endverarbeitung werden die Stengel der Pflanzen immer noch von Hand aussortiert. Für diese Arbeit würde es mit Sicherheit auch schon eine Maschine geben. In diesem Fall ist es jedoch nicht dem Mangel an Technik zuzuschreiben, sondern eher der gewünschten Beschäftigung für die Frauen des Ortes, die sich hier ihr Einkommen verdienen. Somit wird auch in Zukunft der Tee immer noch liebevoll per Hand sortiert und verpackt.

Furnas_Sao_Miguel_Azoren_040Entlang der sehr schönen wilden nördlichen Küste sind wir dann zu dem Lagoa das Furnas und seinen Kratern gefahren und hatten trotz der Bewölkung einen sehr schönen Blick auf den See.
Hier befinden sich auch zahlreiche heiße Quellen die immer noch aktiv sind und somit von der Aktivität des Vulkanes zeugen. Im heißem Dampf der Erde wird hier das traditionelle Eintopfgericht Cozido das Furnas gekocht. Der Ort Furnas ist geprägt von den vielen Heißen Quellen und stark mineral haltigen Brunnen. Der hohe Eisengehalt färbt die wasserführenden Rinnen dabei schon einmal tief rot.Furnas_Sao_Miguel_Azoren_052 Das Wasser erscheint dabei dennoch ganz klar und ist durchaus trinkbar, wie man mir erklärte. Die hellen rostroten Ablagerungen entstehen über die Jahre und bilden geradezu bizarre Muster auf den Steinen.

Beim Besuch des heimischen Restaurants wird uns das Cozido Gericht serviert, das zuvor aus der Erde gezogen wurde. Ein leckerer Eintopf mit vielen Kohl- und Gemüsesorten, Fleisch und Kochwurst.

Weiter ging es dann zum Botanischen Garten Terra Nostra. Er besteht schon seit nahezu zweihundert Jahren und ist bekannt durch seine Sammlung einheimischer und fremdländischer Pflanzen. Der Park ist ebenfalls von heißen Quellen durchzogen, dessen heißes Wasser sich in der Mitte in einem großem Thermalbad sammelt. Das Wasser hat 35-40ºC, riecht leicht schwefelig und ist dunkel rostbraun, aufgrund des hohen Mineral- und Eisengehalts. Es braucht einen Moment Überwindung, um in das braune Wasser zu steigen – es lohnt sich aber und ist sehr wohltuend 🙂

Ponta Delgada ein erster Eindruck

die inoffizielle Hauptstadt der Azoren.

Heute bin ich den ganzen Tag durch Ponta Delgada gelaufen und war ganz schön beeindruckt von der Größe dieser kleinen Stadt auf São Miguel.

Ponta Delgado ist Verwaltungshauptstadt des Archipels der Azoren. Somit gibt es hier alles, was man zur Administration von neun Inseln im Atlantik benötigt: Behörden, Justiz, Banken, vielerlei Geschäfte, Boutiquen, Kino, eine Universität, diverse Kirchen und natürlich einen großen Hafen. Alles liegt dicht beieinander und lässt sich prima zu Fuß erkunden. Die Wohngegenden sind sehr unterschiedlich gestaltet. Die historischen Häuser reihen sich Seite an Seite mit neuen Architektenbungalows und größeren modernen Wohnhäusern. Die Uferpromenade ist durch wenige übergroß erscheinende Betonbauten etwas verunstaltet, wie man es leider an anderen Küsten und Urlaubsorten auch vorfindet. Nichtsdestotrotz macht die Stadt einen sehr aufgeräumten Eindruck. Viele der älteren Häuser wurden renoviert, instand gesetzt und sind sehr hübsch anzusehen. Das Flair ist überaus entspannt und ruhig.

Überall finden sich kleine Cafés und der Galão schmeckt mir hier ganz besonders gut. Gute Ernährung ist hier ohnehin kein Problem. In fast jeder zweiten Straße ist ein kleiner Supermarkt oder ein Früchtehändler, so dass dem Wunsch nach Vitaminen überall nachgekommen wird. Viele kleine Bäckereien bieten die typisch portogisischen Backwaren und Törtchen. Natürlich gibt es reichlich Fisch auf der Speisekarte. In der ersten Reihe sind die Speiseteller nicht gerade günstig, aber auch nicht überteuert. Weiter oben in der Stadt, lassen sich viele kleine Restaurants finden, in denen es deutlich preiswerter ist.

Im Zentrum schlängeln sich die engen Einbahnstraßen durch die Häuser. Die sehr schmalen Bürgersteige sind schön verziert mit schwarz weißen Steinen besetzt. Sollte man hier mit seinen kleinen Kindern unterwegs sein, empfiehlt es sich, diese durchgehend an die Hand zu nehmen und auf der Häuserseite zu führen, da die Autos ungewöhnlich schnell fahren. Tagsüber ist der Verkehr in dem Netz aus Einbahnstraßen beachtlich. Trotz der Enge der Gassen, scheint es hier üblich zu sein, mit hoher Geschwindigkeit die Straßen rauf und runter zu jagen.

WetterGroßes Glück hatte ich mit dem Wetter. Es war durchgehend heiter bis sonnig und mit milden 16 Grad nie zu kalt. Dennoch wird es abends empfindlich kühl, und im Reisegepäck sollte auf keinen Fall etwas Warmes fehlen. Auf den Azoren kann man jederzeit von einem Wetterumschwung überrascht werden. Die Jahreszeit von Dezember bis Februar ist etwa mit unserem Herbst zu vergleichen. Tagsüber hat die Sonne richtig Kraft und kann einem noch sehr warm ins Gesicht scheinen. Am Abend fällt die Temperatur jedoch rasch ab, und man hat Glück, wenn sich im kleinen Rücksack noch der Pulli befindet, den man eigentlich im Guesthouse lassen wollte.